Seminar Alice Salomon Hochschule Berlin – Schriftlichkeit und Medialität

„Handtellergeschichten“

umfasst das gesamte „HandSchriftSinne“ – Programm der Werkstatt vom
– Schreiben einer Geschichte (also die kreative Seite der Werkstatt),
– die Hand als Instrument (auch in der Verlängerung und Anwendung durch Schreibgeräte) und
– den Handteller als etwas Tragendes, Tragfähiges, das zudem biographische Spuren in Form von Lebenslinien enthält; außerdem darin enthalten der Teller, der in verschiedenen Sprachen etymologisch von einem schmalen Stück Holz (zum Abzählen über die Anreichung von Essbarem, also erfolgreich Erjagtem, Erbeutetem) bis hin zur Narration reicht.

Zwischen immer wieder aktualisierten Forderungen nach einer generellen Aufmerksamkeit für Sprache („awareness of language“ / Eric W. Hawkins) und dem reformpädagogischen Ansatz von Célestine Freinet („freies Texten“, „natürliches Lernen“) ergibt sich gemeinsam mit der methodischen Spannbreite des „Biographischen und Kreativen Schreibens“ ein spannendes Erfahrungsfeld, auf dem die Kulturtechnik des Schreibens aus dem theoretischen Kopf von Neuro- und Sprachwissenschaft in die kreativen Hände ästhetischer Praxis übergeben wird: Schriftlichkeit und Schreiben als eine primär individuell sinnliche Erfahrung hin zur intellektuellen Fertigkeit wird mit dem Einsatz vielfältiger bildnerischer Medien neu und anders begreifbar.

Wie kann ich mein eigenes und das Schreiben anderer erfahren, wenn ich mit meinen eigenen Schreib-Gewohnheiten und Automatismen konfrontiert werde? Was passiert, wenn ich bewusst oder unbewusst hinter diese zurückgehe, zurückgeworfen werde? Wie schreibe ich unter welchen Bedingungen, thematisch vorgegebenen oder unter frei gewählten Aspekten und wie verändert sich mein Schreiben unter Einsatz ungewohnter, schreibuntypischer Materialien? Welchen Einfluss haben Ort, Situation und Atmosphäre auf mein Schreiben, meine Schriftlichkeit? Welchen Einfluss auf mein Schreiben hat der gemeinsame Erfahrungsprozess, kollaboratives Schreiben? Wie entsteht eine Erzählung sukzessive mit dem Einsatz unterschiedlicher Medien, Materialien und Schreibtempi?

Anhand von angeleiteten, einfachen kreativen Schreibtechniken entwerfen die TeilnehmerInnen eine individuelle Erzählung oder eine biografisch prominente Episode, die über die Anwendung verschiedener bildnerischer Mittel spielerisch erst entwickelt (oder auch erinnert) wird. Die Niederschrift geschieht so mit ihrem Entstehungsprozess.
Mittels Einsatz verschiedener Materialien, Schreibgeräte, Sprachen, verschiedener Papierformate, Feder- und Stiftsorten bis hin zum Gebrauch mechanischer und elektronischer Schreibgeräte und Tastaturen, sowie computer-generierter Symbolsprachen, Bild und Klang-Elemente wird Schrift zu Text, werden Schriften zu Textkörpern unserer Geschichte(n).

In der Werkstatt für Ästhetische Praxis (Studienjahrgang AbsolventInnen EKB / Alice Salomon Hochschule Berlin SoSe2018) geht es darum, den Zusammenhang von Orthographie, Graphomotorik und Textproduktion sozusagen am eigenen Leib zu erfahren und dann auch reflektieren zu können und damit zu eigenen wertvollen Erkenntnissen zu gelangen, die für das individuelle (akademische oder kreative) Schreiben (oder Blockaden darin) und in dieser Hinsicht auch für die sprachlich und kulturell vielfältigen Herausforderungen pädagogischer Arbeit wertvoll sind.
Lustvoll gestalterisch erfahrener Umgang mit Schrift(en) und (Hand-)Schriftlichkeit legt das lebenslange Fundament für Schreib-, Sprach- und Kommunikationskompetenz.

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